Antimilitarist_innen gegen Bundeswehr-Band auf dem Hafengeburtstag


Dass die Bundeswehr jede Gelegenheit nutzt, um in die Öffentlichkeit zu drängen und ihr Image aufzupolieren, wissen wir. Auf Jobmessen, in Schulen und Universitäten versucht die Truppe sich zu präsentieren. Sie wollen so zur Normalisierung des Militärischem im Alltag beitragen, die Armee als gewöhnlichen Arbeitgeber verkaufen und Nachwuchs rekrutieren. Doch bei den Versuchen, ihre gesellschaftliche Akzeptanz zu steigern, stoßen sie erfreulicherweise immer wieder auf Widerstand. So auch beim diesjährigen 825. Hamburger Hafengeburtstag, den die Bundeswehr in den letzten Jahren zunehmend als Imageveranstaltung nutzt.

Als am Samstag, dem 10. Mai 2014, das Konzert der Big Band der Bundeswehr in der Hafencity startete, protestierten einige Menschen gegen den Auftritt der Soldaten_innen. Während das Orchester auf einer schwimmenden Bühne ihr Konzert begann, entrollten rund 50 Aktivist_innen Transparente, riefen Parolen und machten durchgehend Lärm. Einige Feldjäger_innen der Bundeswehr beobachteten die Szenerie und bepöbelte Aktivist_innen, hielten sich ansonsten aber zurück. Nach etwa 15 Minuten zog die Polizei eine Kette vor den Protestierenden auf. Die wenigen Gäste, die sich bei strömendem Regen das Konzert anhörten, verloren immer weiter das Interesse. Zwischenzeitlich waren mehr Protestierende als Zuhörer_innen vor Ort. Die Bundeswehr Big Band beendete schließlich das Konzert nach einer knappen Stunde, deutlich früher als geplant. Ob es an den Protesten oder dem strömenden Regen und wenigen Zuhörer_innen lag, wird uns die Bundeswehr nicht verraten. Jedenfalls war der frühzeitige Abbruch der Veranstaltung ein willkommener Ausgang für die anwesenden Antimilitarist_innen.

Dass das Konzert nicht reibungslos über die Bühne ging und antimilitaristische Proteste die Veranstaltung dominierten, werten wir als Erfolg. Mit den Protesten gegen den Auftritt der Big Band konnte deutlich gemacht werden, dass die Bundeswehr keine lustige Blaskapelle ist, sondern eine Armee, die weltweit politische und ökonomische Interessen militärisch durchsetzt. Der Versuch, das Militär im Alltag zu verankern, konnte punktuell gestört und klargestellt werden, dass Krieg eben auch hier beginnt.

Die Bundeswehr baut ihre Präsenz auf dem Hafengeburtstag von Jahr zu Jahr weiter aus: Neben der Beteiligung von Kriegsschiffen an der Ein- und Auslaufparade und der Besichtigungsangebot der Schiffe für Technikfans, trat erstmals die Big Band auf und der Bundeswehr-Radio-Sender „Andernach“ berichtete durchgehend vom Hafengeburtstag. Umso wichtiger, dass auch der antimilitaristische Widerstand ausgebaut wird. Die Aktionen gegen die Big Band waren ein guter Auftakt für weitere Proteste.